Tansania

Engikaret Massai Village

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29. März 2018

In Tansania sieht man einfach überall Massai. Als Security vor einem ATM, in der Stadt, um ihre selbstgemachten Schmuckstücke zu verkaufen oder am Straßenrand, während sie auf ihr Vieh aufpassen.

Aber wer sind die Massai und wie leben sie?

Als erstes sollten wir noch sagen, dass es ein riesen Unterschied macht, ob ein Massai in der Stadt lebt oder im Dorf

Wir haben zusammen mit unserem Guide David das Engikaret Massai Village besucht. Die Massai, aus diesem Dorf, kennen nur das Village leben. Sie können weder Kiswahili noch Englisch sprechen, denn die Massai haben ihre eigene Sprache.

David wurde in diesem Massai Village geboren und mit 11 Jahren hat sein Vater ihn in die Stadt geschickt, damit er in die Schule gehen kann und Studieren kann. Nun zeigt uns David, wie die Massai traditionellerweise leben. Ohne Strom und ohne fließend Wasser.

Wir sind mit dem Auto ungefähr 45 Minuten von der Stadt raus gefahren. Auf einmal fährt David von der Hauptstraße runter, mitten ins Nirgendwo. Es gab keine Straße, kein Schild oder überhaupt irgendetwas, dass auf ein kleines Dorf aufmerksam macht.

Bevor unser Auto still stand, kam schon eine Gruppe von Frauen und Kindern zu uns. Die Frauen standen in einer Reihe und haben für uns Lieder gesungen. Immer wieder sprangen sie dabei in die Luft, was typisch für die Massai ist. Die Kinder wollten währenddessen alle auf den Arm genommen werden oder unsere Hand halten.



Kennst du das, jemand singt für dich oder führt dir etwas vor und du weißt nicht, ob du danach klatschen sollst? Okay das wäre vielleicht ein bisschen komisch, also haben wir unseren Guide gefragt, was Danke auf Massai heißt und haben uns dann einfach bei den Frauen bedankt.

Danach hat David uns durch das Boma geführt und uns die Häuser der Massai von innen gezeigt. Ein Boma ist übrigens wie eine Gruppe von Häusern, die alle zu einer Familie gehören.
Die Häuser werden aus Lehm, einzelnen Holzpfosten und Kuhdung gebaut. Kaum zu glauben, aber es riecht wirklich nach gar nichts!

In einem Haus lebt eine Mutter mit ihren durchschnittlich 7-10 Kindern. Eigentlich darf man es gar nicht Haus nennen, denn es ist nur eine Hütte mit einem kleinen extra Raum, welcher mit einem Tierfell ausgelegt ist und als Bett dient. In der Mitte befindet sich noch eine Feuerstelle, die zum Kochen benutzt wird.

Du fragst dich wo der Vater schläft? Nun, die Männer haben immer mehrere Frauen, denn man sagt, je mehr Frauen ein Massai hat, desto reicher ist er. Ein Mann kann nämlich nicht einfach eine Frau heiratet, er muss der Familie dafür eine bestimmte Anzahl an Kühen und Zeigen geben. Die Anzahl hängt davon ab, wie hübsch und wie beliebt die Frau bzw. das Mädchen ist. Uns wurde gesagt, dass ein Mann durchschnittlich 10-15 Frauen hat.

Der Vater hat also keine eigene Hütte, denn er kann sich aussuchen, bei welcher Frau er schläft. Manchmal dauert es bis zu einem Monat, bis der Mann wieder bei der ersten Frau übernachtet.

Nach der Hausbesichtigung sind wir zu einem Platz gelaufen, der als Gehege für die Kühe und die Ziegen benutzt wird. Am Rand standen ein paar Stühle, wo wir uns nun im Kreis hingesetzt haben.

David fängt an zu erzählen:

Die Massai sind unterteilt in 4 Gruppen. Die erste Gruppe sind die Frauen.

Ihre Aufgabe ist es auf die Kinder aufzupassen, die Häuser zu bauen, Essen und Feuerholz zu sammeln, zu kochen und die Schmuckstücke herzustellen.

Die zweite Gruppe sind die Kinder im Alter von 0-14 Jahre.

Ihre Aufgabe ist es auf das Vieh aufzupassen.

Im alter von 14 Jahren werden die Jungs beschnitten und sind nun ein Teil der dritten Gruppe: die Krieger.

Sie haben als Aufgabe, das Dorf zu beschützen und jagen zu gehen. Man erkennst sie an den Rastahaaren, denn vor 14 und ab 40 ist es nicht erlaubt längere Haare zu haben.

Und zu guter Letzt kommen die Ältesten.

Im Alter zwischen 40-50 wird ein Krieger zum Ältesten, es kommt aber immer drauf an, wie fit der Mann noch ist.

Während David uns alles erzählt, haben wir einen Massai Tee zum trinken bekommen. Der Tee wird aus Wasser, Milch und bestimmten Gewürzen herstellt. Ich hätte es echt nicht erwartet, aber der Tee hat richtig gut geschmeckt. Nur war es kaum möglich den Tee zu trinken, da im ganzen Dorf Unmengen an Fliegen sind! Kaum hast du die Fliegen weg gescheut und wolltest die Tasse gerade zum trinken ansetzten, waren da schon die Nächsten.

Naja, zurück zum Thema: Die Beschneidung ist bei den Massai ganz wichtig. Die Männer werden in aller Öffentlichkeit beschnitten und es ist ein großes Ritual. Nun wird der Junge zu einem Mann. David hat uns erzählt, dass der Junge während der Beschneidung kein Anzeichen von Schmerz zeigen darf. Also kein Schreien, kein Zucken, nicht einmal Blinzeln. Denn wie soll ein Krieger seine Familie beschützen können, wenn er keinen Schmerz von 5 Minuten aushalten kann?

Nach der Beschneidung werden die Männer für 6 Monate aus dem Massai Village weg geschickt. In dieser Zeit wird ihnen beigebracht, wie man kämpft und wie man jagen geht. Sie tragen dann nicht ihre typischen karrierten Gewänder, sonder schwarze und ihr Gesicht wird mit weißer Farbe bemalt.

Während den 6 Monaten bekommen die Männer nur Fleisch zum Essen und nur Blut zum trinken, damit sie schnell stark werden. Ja, du hast richtig gehört. Auch heutzutage trinken die Männer noch Blut. Auch nach dieser Zeit, wenn sie z.B. ein Tier erledigt haben, wird als erstes das Blut getrunken und dann wird das Fleisch gekocht. Nachdem die Männer mit dem Essen fertig sind, bekommen die Frauen und die Kinder den Rest.

Die Frauen werden übrigens auch im Alter von 14 beschnitten, jedoch findet es im Haus statt und es ist auch nicht so schlimm, wenn die Frau ihre Schmerzen zum Ausdruck bringt.
Nach der Beschneidung ist die Frau heiratsfähig, das bedeutet, dass der Vater zu den andern Bomas läuft und einen Mann für die Tochter sucht. Meistens sind die Männer viel älter, da sich die jungen Krieger noch keine Frau leisten können.

David hat uns auch erzählt, dass die Massai drei Erkennungsmerkmale haben. Das Erste sind die drei Narben im Gesicht. Im Kindesalter wird jedem Massai mit einem heißen Metall drei Ringe ins Gesicht gebrannt. Einen auf die linke Wange, einen auf die rechte Wange und einen auf die Stirn. Je nachdem, wie stark die Wunde ist, hält die Narbe ein Leben lang oder man sieht sie nach ein paar Jahren kaum noch, wie bei unserem Guide.

Als zweites Symbol werden den Kindern zwei Zähne gezogen. Diese zwei Symbole sind Pflicht bei den Massai. Was heutzutage nicht mehr 100% gemacht wird, sind die riesen Löcher im Ohr. Da entscheidet jede Familie für sich, ab sie das machen möchten oder eben nicht.

Du erinnerst dich, dass ich erzählt habe, dass überall Fliegen sind? Das kommt übrigens daher, dass die Massai keine Toiletten haben. Die Natur ist die Toilette! Dem entsprechen ist das ganze Dorf voller Fäkalien. Von Mensch und Tier. Da sind natürlich auch viele Fliegen und jaa, genau diese Fliegen waren dann an unserer Tasse – richtig kombiniert. Deswegen haben wir auch nur ein paar Schlücke davon getrunken…

Während unseres Besuchs im Village waren die Kinder immer um uns herum. Entweder auf dem Arm, an unseren Beinen oder an unserer Hand. Aber selbst an den Kindern waren überall fliegen. Am ganzen Kopf und sogar am Auge.

Nachdem wirklich alle Fragen von uns beantwortet wurden, haben wir noch einen Spaziergang durch die Nachbarschaft gemacht. Immer wieder ist ein Boma aufgetaucht und insgesamt sind hier in der Nähe 500 Bomas.

Mitten im Nirgendwo, stand auf einmal eine Kirche. Ein Chinese wollte den Massai den Christlichen Glauben näher bringen, denn die Massai glauben an die Natur. Die Kirche wird von den Massai jedoch einfach als „Konferenzraum“ genommen, für Besprechen zwischen den Bomas.

Als wir heute da waren, war gerade so eine Besprechung. Wir sind also nur einmal umherum gelaufen und wollten gerade wieder gehen, da kamen 3 Kinder raus gelaufen. Sie sind ganz scheu auf uns zu und haben uns begrüßt. Ein ca 8 Jahre altes Mädchen hatte einen kleinen Jungen auf ihren Arm. Als ich ihn gerade begrüßen wollte, fing er total an zu weinen. David meinte, dass ich wahrscheinlich der erste Muzungu „weißer Menschen“ war, den er je gesehen hat!

Nach unserem Spaziergang haben die Krieger noch einen letzten Tanz für uns getanzt.



Auf dem Weg zurück in die Stadt haben wir uns alle Gedanken über den Tag gemacht. Wir beide fanden es total interessant, zu sehen wie die Massai leben, aber es war auch hart zu verstehen, warum es so etwas im 21 Jahrhundert noch gibt. Gerade das Thema mit der Beschneidung hat uns Stunden später immer noch beschäftigt.

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